Kulturnachrichten aus Wurzbach

 

Kunsthaus Müller eröffnet

Minister würdigt Wurzbacher Einrichtung als bedeutsame Adresse für Kunstliebhaber

Von OTZ-Redakteur Karl-Heinz Putzmann

 

Wurzbach. Als Galerie für zeit­genössische Kunst öffnete am Samstag nun auch ganz offiziell das Kunsthaus Müller am Wurz­bacher Markt seine Pforten. Stan­desgemäß geschah dies mit einer überaus beachtlichen Ausstel­lung des geschätzten Thüringer Künstlers Alfred Traugott Mörstedt (1925 bis 2005), begleitet von einer Kabinett-Ausstellung mit Heinrich-Vogler-Exlibris.

Thüringens Kultusminister Prof. Dr. Jens Goebel würdigte in seiner Rede zur Eröffnung des Kunsthauses ganz besonders die Leidenschaft und das Engage­ment von Bärbel und Christian Müller für die Kunst, was letzt­lich in das Projekt des Kunsthau­ses als bedeutsame Adresse für Kunstliebhaber mündete. Dabei, so der Minister, schreckte man auch nicht vor der wahrlichen Mammutaufgabe zurück, die die­ses geschichtsträchtige Haus den Müllers aufbürdete. Doch sie ha­ben Zeit, Geld und Liebe inves­tiert, damit hier in der eigentlich eher künstlerischen Provinz ein Haus heranwachsen kann, das zum Brennpunkt verschiedens­ter Aktivitäten werden soll.

Und so spricht es für die tief verwurzelte Bindung der Familie Müller ans neue Heimatstädt­chen Wurzbach, dass man in der eben erst eingerichteten Gobelin-Werkstatt als Erstlingswerk ei­nen handgewirkten Bildteppich weben will, der das Wurzbacher Wappen darstellt.

Besonders symbolträchtig da­bei ist aber auch der Umstand, dass daran Lehrling Franziska Heckel aus Eliasbrunn maßgeb­lich mitarbeitet. Denn auf die Nachwuchsförderung haben die kunsthandwerklich so engagier­ten Müllers schon immer viel Wert gelegt. Franziska hat übrigens - wie sie am Samstag aus­drücklich bekundete - vom Lehr­stellen-Angebot der Müllers aus der hiesigen OTZ erfahren, sich umgehend beworben und ihre Probephase mit Bravour absol­viert. Mit Martin Geske aus Saal­feld bildet Christian Müller in der fast untergegangenen Hand­werkskunst des Steindruckes derzeit den siebenten Lehrling aus. Und Steven Luschnig aus Bad Lobenstein erlernt unter den Fittichen von Bärbel Müller das kunstvolle Töpfern.

Platz und gute Arbeitsbedin­gungen für das Steindruck-Hand­werk gibt es unterm Dach des Kunsthauses ebenso, wie für die Töpferei oder das Web-Atelier, das mit sieben Webstühlen aus­gestattet wird. Als Mentor betä­tigt sich hier die namhafte Marktredwitzer Gobelin-Künstlerin Ursula Benker-Schirmer, die in Marktredwitz ihre Atelier-Tapis­serie in der Fränkischen Gobelin Manufaktur GmbH betreibt. Sie ist übrigens eine Tante mütterli­cherseits von Bärbel Müller.

Das alte Anwesen des Großva­ters von Bärbel Müller ist zur neuen Bleibe geworden. Zurück­gekauft, hat man Mut und Ver­antwortung investiert. Wohl wis­send, dass sich die Müllers in ihrer zweiten Lebenshälfte – am
Vortag beging Bärbel Müller ihren „60." - in ein Abenteuer stürzen. Denn das Haus war sehr stark sanierungsbedürftig und ist auch längst noch nicht in aller Winkeln fertig. Es bleibt ein Lebenswerk und bedarf weiterhin des vielschichtigen Engagements. Das um 1540 erbaute An wesen, das eine recht wechsel­volle Geschichte als Gaststätte Pferdeumspannstation, Kauf­haus, Post, HO-Verkaufsstelle oder Arztpraxis durchlebte , wird nun zu einer Begegnungsstätte für Kunstkenner, Kunstgenießer und Kunstinteressierte, wie es Prof. Goebel so treffend formu­lierte.

„Für den Freistaat sind sie und ihr Engagement ein weiteres wichtiges und reizvolles Detail für den bunten Teppich, den die Thüringer Kunst- und Kultursze­ne webt. Ich hoffe, dass ihr bei­spielhaftes Engagement, das un­sere gewachsene Thüringer Kunstlandschaft bereichert, viele Nachahmer findet. Denn unsere moderne Gesellschaft lebt von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die sich aktiv für das öf­fentliche und kulturelle Leben interessieren, sich einbringen und mitgestalten", betonte ab­schließend Minister Jens Goebel in seiner Lobrede.

 

Kunsthaus1

Kunsthaus2

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Kunstinteressierte Besucher von weither –

aber auch aus Wurzbach kamen zur

Kunsthauseröffnung

 

Thüringens Kultusminister Prof. Dr. Jens Goebel

im Gespräch mit Bärbel und Christian Müller

Prof. Irmela Boßler begleitet die Kunsthaus-Eröffnung mit einem virtuosen Flötenspiel

Kunsthaus3

Lehrling Franziska Heckel demonstriert in der im Entstehen begriffenen Gobelin-Manufaktur die Web-Technik.

Das Kunsthaus Müller wird auf diesem Webstuhl als erste Arbeit das Wurzbacher Wappen fertigen.

 

Galerie in Baustelle

Von Karl-Heinz Putzmann

 

Bemerkenswert viele Kunstfreunde hat die hoch angesiedelte Kunsthaus-Er­öffnung ins Wurzbacher Tal gelockt. Ganz besonders freu­te sich Familie Müller über die kunstinteressierten Besu­cher aus Wurzbach und Um­gebung, die zu diesem be­deutsamen Kunst-Ereignis gekommen waren. Das Haus beschert für den Ort fraglos eine Weichenstellung, deren Dimension mancher noch gar nicht so recht erahnen mag. Es tut gut, so was hier zu ha­ben.

Viel Dank gab es für die Handwerker, die sehr zur Zu­friedenheit der Müllers ihren soliden Beitrag zur Formung des Hauses leisteten. Das war gewiss nicht immer einfach zu verkraften, da parallel da­zu mitten in der Baustelle auch immer künstlerisch un­ter dem Dach des ehrwürdi­gen Gemäuers gewerkelt wur­de. Doch der Spagat gelang. Und doch bleibt noch so viel zu gestalten. Die Galerie in dieser Baustelle hat aber ge­öffnet. Geplant ist noch ein Galerie-Cafe, das bereits jetzt in seiner künftigen Variante zur Kunsthaus-Eröffnung sei­ne erste urige Bewährungs­probe bestens bestand. Dazu trägt fraglos das in der eige­nen Werkstatt getöpferte Ge­schirr bei.

Kunst ohne Schwellen­angst, dies will man im Kunsthaus Müller den Besu­chern ausdrücklich anbieten und nahe bringen. Das frühe­re Kaufhaus mit seiner wech­selvollen Geschichte soll zu einem Treffpunkt profiliert werden. Dazu kann jeder über die Schwelle des gastli­chen Hauses näher treten.

 

Anmerkung: Das Kunsthaus Müller ist im Internet unter www.kunsthaus-Mueller.de zu finden

 

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